17.04.2015

von B° RB

Bewegung am Zentralkauf

Investor und Entwickler stellen Bauvoranfrage für 30 Millionen-Projekt – Bis Ende 2017 soll auf 10.000 qm die "Hof-Galerie" entstehen

Zentralkauf

Entschieden ist noch nichts, doch es könnte der Anfang vom Ende des wohl bekanntesten Hofer Leerstands sein: Ein Investor aus dem fränkischen Buttenheim und ein Stuttgarter Projektentwickler haben nun eine detaillierte Bauvoranfrage für das ehemalige „E-Center“, das die Hofer nur „Zentralkauf“ nennen, an die Stadt Hof gerichtet. Sie möchten das alte Gebäude komplett abbrechen und bis Ende 2017 darauf die „Hof-Galerie“ mit Parkdecks für etwa 400 PKW-Stellplätzen errichten. Verbunden mit der Realisierung des Projekts sind die Umstrukturierung des derzeitigen Busbahnhofes und seine Konzentration im südlichen Teil der Friedrichstraße. 

Ein Verträglichkeitsgutachten bezüglich des Hofer Einzelhandels liegt der Voranfrage bereits bei. Nun wird der Bauausschuss der Stadt Hof das Projekt vorberaten, bevor es noch im Sommer zu einem Bauantrag kommen soll. Möglich wurde diese Entwicklung durch die beharrliche Arbeit der Hofer Wirtschaftsförderung und den Umstand, dass der Zentralkauf im letzten Jahr den Eigentümer wechselte. Der derzeitige Besitzer, eine Investmentgesellschaft aus New York, ist nach jüngsten Bekundungen mit Verkauf und Entwicklung der alten Immobilie einverstanden.

Bei dem Investor handelt es sich um die Firma „Globus Development AG“. Sie wird gegenüber der Stadt Hof durch den Projektentwickler und Architekten Bernhard Reiser vom Unternehmen „MESA Development BR GmbH“ aus Stuttgart vertreten.

Projekt soll Innenstadt-verträglich sein

Die bestehenden Gebäude auf dem Baugrundstück sollen komplett abgebrochen und als „Hof Galerie“ neu bebaut werden. Die reinen Neubaukosten sollen bei ca. 20,0 Mio. € liegen. Dabei wird angestrebt, nicht etwa eine überdimensionierte Shopping-Mall amerikanischer Machart zu errichten, sondern mit insgesamt 10.000 Quadratmetern an Verkaufsfläche stadtverträglich zu agieren. Zum Vergleich: Klassische Shopping-Malls verfügen heute meist über Verkaufsflächen jenseits der 20.000 Quadratmeter.

„Hofs Stärke ist die lebendige Innenstadt. Wir wollen nicht, dass der gewachsene Hofer Einzelhandel leidet oder die Innenstadt verödet. Wir möchten deshalb ein Einkaufs- und Dienstleistungszentrum umsetzen, das passgenau und verträglich auf die Hofer Bedürfnisse zugeschnitten wird und das es zum Beispiel auch wieder ermöglicht, Lebens- und Grundnahrungsmittel an einem zentralen Punkt in Hof zu erwerben. Dies war nach unserer Kenntnis im früheren Zentralkauf der Fall und wurde auch von vielen älteren Menschen genutzt. Außerdem sehen wir mit diesem Bauprojekt eine reelle Chance positive Impulse für die gesamte Umgebung des Grundstückes und für die Entwicklung der Hofer Innenstadt zu setzen. Wir sind der klaren Auffassung, dass die Stadt Hof durch eine Wiederbelebung des Areals deutlich an Attraktivität gewinnen würde – auch im Zusammenspiel mit dem dann zur Verfügung stehenden Bahnhalt Hof-Mitte, der nur wenige Meter entfernt durch die Bahn errichtet wird“, so Projektentwickler Bernhard Reiser.

Gutachten bestätigt Planer

Zur Bauvoranfrage wurde darum bereits ein Verträglichkeitsgutachten eingereicht. Es wurde erstellt durch das Unternehmen CIMA, das vor einigen Jahren bereits das Hofer Innenstadtkonzept erstellt hatte. Das Gutachten bestätigt den Ansatz der Entwickler:

Genaue Belegungen der Hof-Galerie sind derzeit noch nicht festgelegt. Angestrebt wird der Bereich Lebensmittel als Ankermieter, zusätzlich die Bereiche Elektro, Gesundheit und Körperpflege, Bekleidung, Schuhe, Lederwaren, Outdoor. Der Umsatzanteil der Hof-Galerie liegt in den einzelnen Branchen bei ca. 6-20 % vom Umsatz der Bestandsbetriebe in Hof. Durch die Attraktivitätssteigerung der Hofer Innenstadt durch dieses Projekt wird sich die Kaufkraftbindung im Einzugsbereich erhöhen. Dennoch ist mit Umsatzverteilungen gegenüber Bestandsbetrieben in Hof zu rechnen, damit auch mit Strukturveränderungen in Einkaufsbereichen an den Innenstadträndern. Allerdings ist der „Zentralkauf“ ein Innenstadt-Standort und stärkt so die innerstädtische Attraktivität insgesamt.

Verlegung des Busbahnhofes und Verkehrsänderungen angestrebt

Um das Projekt aber umzusetzen, wäre als erster baulicher Schritt ein Umbau und eine Verlagerung des derzeitigen Busbahnhofes erforderlich. Während das Teilstück der Bismarckstraße, welches derzeit für die Busse genutzt wird, an den Investor verkauft und teilweise mit überbaut werden soll, wird sich der Busbahnhof nach den Plänen Reiser’s zukünftig komplett in der Friedrichstraße wiederfinden.

Wichtig ist, „den Neubau des Projekts und die Umstrukturierung des Busbahnhofs als eine gemeinsame stadtentwicklerische Maßnahme zu betrachten“, so die Ausführungen des Architekten.

Hierfür existieren erste Pläne sowie eine Machbarkeitsstudie des Dr. Brenner-Institutes Stuttgart, das bereits für den Hofer Generalverkehrsplan verantwortlich zeichnet. Demnach soll es in der Friedrichstraße einen Wendekreis für Busse sowie eine attraktive Verkehrsinsel geben. Auch die HEW, namentlich Geschäftsführer Claus Müller, hat die grundsätzliche Machbarkeit des Vorhabens bereits signalisiert. Allerdings muss hier bis zur Stellung des endgültigen Bauantrages bei der Stadt Hof noch ein detailliertes Verkehrs- und Schallschutzgutachten eingeholt werden sowie die Auswirkungen auf den Busfahrplan ermittelt werden.

Ebenfalls eine Verkehrsänderung wäre im Falle der Umsetzung der Pläne in der Schillerstraße notwendig. Da eine Einfahrt der „Hof-Galerie“ hier geplant ist, würde das Teilstück von der Bismarckstraße bis zu dieser Einfahrt Einbahnstraße bleiben. Das Teilstück von der Marienstraße bis zur Parkeinfahrt aus der anderen Richtung müsste dann aber zweispurig befahrbar sein. Hierfür ist auch eine Ampelregelung an der Ecke Marienstraße – Schillerstraße nötig. Nur so lässt sich sauber der PKW-Verkehr über Bismarckstraße und Schillerstraße und der ÖPNV in der Friedrichstraße trennen.

Kundenparkplätze der Friedrichstraße auf Parkdeck

Die Anwohner der Friedrichstraße sollen weiter problemlos mit dem PKW ihre Hauseinfahrten erreichen können. Dagegen müssten allerdings die benachbarten Kundenparkplätze mehrheitlich entfallen. „Hierfür würden wir definitiv ausreichend kostenfreien Ersatz auf einem Parkdeck schaffen, so dass alle Läden und Praxen auch weiterhin bequem erreichbar sein werden“, so versichert Architekt Reiser.

Wie geht es nun weiter?

Obwohl wie ersichtlich durch Investor und Stadtverwaltung bereits viele Vorarbeiten geleistet wurden, handelt es sich derzeit rein formal nur um eine Bauvoranfrage des Investors. Diese liegt den Mitgliedern des Hofer Bauausschusses seit gestern, 15.4.15, detailliert vor und soll in der Sitzung am 21.April 2015 im nichtöffentlichen Teil in Teilen vorberaten werden. Eine Woche später erfolgt dann in der Vollsitzung des Hofer Stadtrates (27.4.15) eine öffentliche Beratung und Beantwortung der Voranfrage. So diese positiv für das Investment verläuft, plant der Architekt einen offiziellen Bauantrag im Sommer zu stellen. Dann muss der Hofer Stadtrat über das Gesamtprojekt entscheiden.

Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner äußert sich zur Entwicklung beim Thema „Zentralkauf“ wie folgt:

„Das derzeitige Zentralkauf-Gebäude steht nicht nur seit langem leer, sondern es hat sich zum Schandfleck in unserem Stadtbild entwickelt. Lange war es nicht möglich zwischen Eigentümer und Interessenten zu vermitteln – zu deutlich lagen die Vorstellungen und Machbarkeiten auseinander. Mit dem Eigentums-Übergang der Immobilie wollten wir die neue Chance sofort beim Schopf packen. Auch die beharrliche Arbeit und die Überlegungen der letzten Jahre zahlt sich hier aus und wir sehen mit Zufriedenheit, dass ein seriöser und bekannter Investor ernsthafte Pläne für das Areal vorlegt. Nun stellen sich angesichts der Komplexität des Projektes natürlich noch viele Fragen, die zwischen den handelten Parteien und in erster Linie mit dem Stadtrat zu klären sind. Eine Wiederbelebung des Areals ist aber wohl nicht nur der Wunsch wahrscheinlich fast aller Hofer, sondern wäre ein Meilenstein für die Entwicklung dieses innerstädtischen Bereiches.“

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